Trauer ist privat. Doch immer häufiger findet sie im digitalen Raum statt. Facebook-Profile werden zu Gedenkseiten, Instagram-Posts ersetzen Traueranzeigen, und auf spezialisierten Plattformen brennen virtuelle Kerzen.
Was früher am Grab geschah, passiert heute auf dem Smartphone. Die Psychologin Dr. Anna Berger von der Goethe-Universität Frankfurt sieht darin Chancen: „Digitale Gedenkstätten ermöglichen es Menschen, die räumlich getrennt sind, gemeinsam zu trauern. Das kann heilsam sein.“
Gleichzeitig warnen Experten vor der Vergänglichkeit digitaler Plattformen. MySpace hat 2019 rund 50 Millionen Songs und damit unzählige Erinnerungen gelöscht. Google+ wurde komplett abgeschaltet. Die Frage, ob digitale Erinnerungen wirklich bleiben, wird immer drängender.
Neue Anbieter wie das Frankfurter Unternehmen MEMORYA setzen deshalb auf Blockchain-Technologie, die eine permanente, nicht löschbare Speicherung verspricht. Das Konzept: Einmal bezahlen, für immer gespeichert — unabhängig davon, ob das Unternehmen weiter existiert.
Ob sich diese Form der digitalen Trauer durchsetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Art, wie wir Abschied nehmen, verändert sich grundlegend. Und die Technologie gibt uns dabei neue Möglichkeiten — wenn wir sie klug nutzen.